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«Das verhetzte Individuum fällt nicht vom Himmel. Es wird gemacht. Es durchläuft Lehrjahre der Unmenschlichkeit.»
In Bertolt Brechts Stück Mann ist Mann aus dem Jahr 1926 wird erprobt, wie man Menschen mitsamt ihren Einstellungen beliebig formen kann. Der Arbeiter Galy Gay wird binnen einer Woche in eine gefühllose Kampfmaschine «ummontiert». Robert Misik untersucht in Erziehung zur Grausamkeit die Massenpsychologie des neuen Faschismus.
Das verhetzte Individuum fällt nicht vom Himmel. Es wird gemacht. Die Agitation schürt die Wut, die Verbitterungsgefühle, will ihre Anhänger in vollends paranoide Charaktere verwandeln, nährt einen Kult der Härte, die Freude an der Gemeinheit, Fantasien über allerlei Grausamkeiten, die man anderen antun könnte. Es sind Lehrjahre der Unmenschlichkeit.
Robert Misik analysiert nicht nur, welche Charaktere für das Autoritäre besonders empfänglich sind und welche Pathologien unserer Zeit den Aufstieg der radikalen Rechten begünstigen, sondern: Was geschieht mit den Subjekten, wenn sie in die Fänge der Propaganda geraten?
Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Internationalen Literaturfestival BuchBasel (13. - 15. November 2026) statt. Menschen mit einem Festival-Pass erhalten gratis Eintritt. Wir empfehlen, mit einem Pass ca. 20 Min. vor Veranstaltungsbeginn an der Abendkasse zu sein. Ein Kontingent für Festivalpässe ist eingeplant und wird zurückbehalten, wir können allerdings keine definitive Platzgarantie geben. Mehr Informationen zur BuchBasel hier.
«Im Kopf von …» ist eine Gesprächs- und Denkreihe vom Werkraum Schöpflin und der Kaserne Basel. Sie lädt Denker*innen unserer Zeit ein, die uns mitnehmen in ihre Gedankengebäude – in ihre Recherchen, Zweifel, Analysen und Hoffnungen. Gemeinsam fragen wir, wie wir in einer krisengeschüttelten Welt nicht nur standhalten, sondern uns grenzüberschreitend solidarisch und widerständig positionieren!
Biografien
Robert Misik, 60, lebt als Autor, Journalist, Theatermacher und Kurator in Wien. Er schreibt für verschiedenste deutschsprachige Zeitungen von taz, über Falter, WoZ bis NZZ und vielen anderen. Zahlreiche Buchveröffentlichungen darunter "Marx für Eilige", "Genial dagegen", "Die falschen Freunde der einfachen Leute" und "Das große Beginnergefühl. Moderne, Zeitgeist, Revolution". Er ist Träger des "Österreichischen Staatspreis für Kulturpublizistik" und des Preis für Wirtschaftspublizistik der John Maynard Keynes Gesellschaft. Seit Beginn der Intendanz von Milo Rau ist er auch Dramaturg verschiedener Produktionen der Wiener Festwochen.
Oliver Nachtwey ist Professor für Sozialstrukturanalyse an der Universität Basel und forscht zu gesellschaftlichen Modernisierungs- und Individualisierungsprozessen sowie zum Wandel der Arbeit. Er beschäftigt sich mit der Entwicklung sozialer Konflikte, Digitalisierung, Protesten und dem neuen Autoritarismus. Für sein Buch "Die Abstiegsgesellschaft" (2016) wurde er mehrfach ausgezeichnet. "Gekränkte Freiheit. Aspekte des libertären Autoritarismus" (2022, zusammen mit Carolin Amlinger) stand auf der Shortlist für den Preis der Leipziger Buchmesse. Zuletzt erschien "Zerstörungslust. Elemente des demokratischen Faschismus" (2025, zusammen mit Carolin Amlinger), das mit dem Geschwister-Scholl-Preis ausgezeichnet wurde und sowohl auf den Sachbuchbestenliste von ZEIT/ Deutschlandfunk Kultur/ZDF als auch auf der Bestenliste von NZZ/WELT/WDR5/Ö1 auf Platz 1 stand.