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La Tendresse du ventre de la baleine (Die Zärtlichkeit im Bauch des Wals) war in Lausanne, Genf und Zürich bereits ausverkauft und gefeiert – nun kommt die Arbeit endlich nach Basel. Géraldine Chollets neueste Gruppenchoreografie nahm in einer Residenz an der Kaserne Basel ihren Ausgangspunkt. Umso schöner, die daraus entstandene Arbeit nun am Ort ihres Beginns erleben zu können.
Acht Tänzer*innen bewegen sich um und durch das Publikum, zwischen Sitzkissen, Körpern und Blicken. Begleitet von der Sängerin und E-Gitarristin Billie Bird und dem treibenden Set von DJ MÂNAA entsteht ein kollektiver Bewegungsstrudel bis zur Erschöpfung. Die Performer*innen lösen sich aus dem Ensemble, brechen vereinzelt mit expressiven Tanzphrasen aus, finden zurück. Gemeinschaft formiert sich und zerfällt. Inspiriert von der biblischen Geschichte Jonas’ im Bauch des Wals entwickelt sich ein Abend in ständiger Verwandlung, in dem Differenz präsent bleibt und vertraute Vorstellungen davon, wie Gemeinschaft entsteht, charmant überlistet werden. Ein Tanzereignis, das Konfrontation und Zärtlichkeit zulässt – und lange nachwirkt.
Dauer: ca. 60 Min.
7.3.: Physical Introduction um 19:00
Credits
Konzept & Choreografie: Géraldine Chollet
Choreografie in Zusammenarbeit mit den Tänzer*innen: Jessica Tamsin Allemann, Johanna Robyn Closuit, Karine Dahouindji, Victor Dumont, Bilal El Had, Bast Hippocrate, Maïté Maeum Jeannolin, David Zagari
Extra-Tänzerinnen: Mélissa Guex, Eléonore Heiniger
Gesang & Gitarre: Billie Bird
DJ: MÂNAA (Iman Waser)
Dramaturgie: Adina Secretan, Jessica Huber
Lichtdesign: Selim Dir Melaizi
Technische Leitung: Nidea Henriques
Kostüme: Maarten Van Mulken
Assistenz: Claire Nicholas
Beratung Bühnenbild: Sarah André, Thérèse Weibel
Assistenz: Trân Tran, Tamara Lysek
Tonregie: Raphaël Raccuia
Produktion, Diffusion und Entwicklung: Maxine Devaud / oh la la - performing arts production
Eine Produktion von: Cie Rahu LaMo
Eine Koproduktion von: Théâtre Vidy - Lausanne, Pavillon ADC - Genève, LAC - Lugano Arte e Cultura, Gessnerallee, Kaserne Basel
Unterstützung: Label+ romand, État de Vaud, Ville de Lausanne, Loterie Romande, Pro Helvetia, Ernst Göhner Stiftung
Danke an Théâtre Sévelin 36 und Arsenic – Centre d’art scénique contemporain
Erinnerung an den Tanz der Freude
Erinnerung an den Tanz der Freude
Von Eric Vautrin, Dramaturg Théâtre Vidy – Lausanne
Eine Person musste sich einer schrecklichen, gewalttätigen, unmöglichen Stadt gegenüber sehen – einem Strudel. Diese Person sollte dort Frieden bringen oder an die bevorstehende Zerstörung erinnern. Sie gab auf und verlor sich (manche sagen, sie sei in den tosenden Fluten versunken. Ein weiterer Strudel, ein weiterer Sturm). Die Person wurde von einem grossen Fisch verschluckt. Die Zärtlichkeit im Bauch des Wals machte etwas mit ihr. Irgendetwas geschah. Tatsächlich spuckte der große Fisch sie wieder an Land. Sie kehrte in die Stadt zurück. Bruchstücke eines Tanzes kamen ihr in den Sinn. Es war lange her, dass sie den Tanz der Freude getanzt hatte. Würde sie ihn wieder finden können? Gab es ihn überhaupt noch, ausser in ihren Erinnerungen?
Situationen, Stürme, Wirbelstürme scheinen zur Flucht aufzufordern, wenn sie nicht selbst schon Flucht sind. Transformierende Erfahrungen, die Vergessen, Rückzug sind. Die Konfrontation mit dem Nichts sind, das wir selbst sind, mit Angst, oder mit Unterschieden. Die nicht durch Handeln geschehen. Vielleicht. Und irgendwo tief in einem selbst immer die Erinnerung an den Tanz der Freude. Ein Tanz mit anderen zusammen, aber kein geordneter Tanz. Ein Tanz, der zuhört, ohne konkreten Fokus. Ein gemeinsamer Tanz und ein Tanz Einzelner – beides.
Die Lausanner Künstlerin Géraldine Chollet choreografiert keine Handlungen oder Rituale, sondern sich wandelnde Beziehungen. Die Gruppe und die einzelnen Personen, aus denen sie besteht, der Raum, die Beleuchtung und die Kostüme sind bereits Tänze an sich. Denn es handelt sich um Situationen, um Beziehungen, die nicht ganz aufeinander abgestimmt und koordiniert sind und bereits eine Bewegung, eine Energie, eine Verschiebung in Gang setzen. Die Gesten und Impulse dienen also nicht dazu, etwas zu beweisen oder zu erreichen, sondern sich zu entwickeln, zu werden, in einer unendlichen Perspektive. Die Erinnerungen an den Tanz der Freude sind Erinnerungen an das Leben, das für diejenigen, die sich mit ihm verwandeln, niemals endet.
In einer früheren Arbeit, Ouverture, bewegten sich die Zuschauer*innen in einem Kreis, in ihrer Mitte die Tänzer*innen – bis sie diese Grenze überschritten. La Tendresse du ventre de la baleine kehrt dieses Verhältnis um, als wolle es die Tiefen erforschen, während Ouverture die Kraft der Aussenwelt und der Ausdehnung suchte. Aber wie die Zentrifugalkräfte und die Zentripetalkräfte, wie Tag und Nacht, ergänzen sich diese beiden Bewegungen, begleiten sich. Vielleicht geht es tatsächlich darum: sich in diesen Strudeln, die uns heute verbinden, zu begleiten.
Souvenir de la danse de la joie
Par Eric Vautrin, dramaturge Théâtre Vidy – Lausanne
Une personne devait affronter une ville terrible, violente, impossible – un tourbillon. Iel devait y apporter la paix, ou rappeler la destruction imminente. Iel renonça et se perdit (certain·e·s disent qu’iel sombra dans des flots déchainés. Autre tourbillon, autre tempête). Iel fut avalé par un grand poisson. La tendresse du ventre de la baleine lui fit quelque chose. Il se passa quelque chose. Le fait est que le grand poisson lae recracha sur le rivage. Iel retourna dans la ville. Il lui revenait des bribes d’une danse. Il y avait longtemps qu’iel n’avait pas dansé la danse de la joie. Saurat-iel la retrouver ? Existe-t-elle seulement ailleurs que dans ses souvenirs ?
Il y a des situations, tempêtes ou tourbillons qui semblent appeler la fuite, quand ce ne sont pas des fuites en elles-mêmes. Il y a des expériences transformatrices qui sont des oublis, des replis, des face-à-face avec le presque-rien de soi, ou avec la peur, ou avec la différence, et qui ne passent pas par l’action. Peut-être. Et il y a toujours, quelque part au fond de soi, le souvenir de la danse de la joie. Une danse à plusieurs, mais pas en ordre. Une danse à l’écoute, mais pas alignée. Une danse partagée et une danse de chacun·e – les deux.
Géraldine Chollet, artiste lausannoise, ne chorégraphie pas des histoires ni des rituels, mais des relations qui se transforment. Le groupe et les individus qui le composent, l’espace, lumières et costumes, sont déjà des danses en elles-mêmes. Car ce sont des mises en situation, en relation, qui ne sont pas tout à fait accordées, coordonnées, et qui engagent déjà un mouvement, une énergie, un déplacement. Alors les gestes et les pulses ne sont pas faits pour prouver ou aboutir, mais pour se déployer, pour devenir, dans une perspective sans fin. Les souvenirs de la danse de la joie sont des souvenirs de la vie, qui jamais ne finit pour qui se transforme avec elle.
Dans un spectacle précédent, Ouverture, les spectateurices marchaient en file et en rond, les danseureuses évoluant au centre avant de déborder la limite enveloppante. La Tendresse du ventre de la baleine inverse le rapport, comme pour creuser, explorer les profondeurs, quand Ouverture cherchait la puissance de l’extériorité et de l’extension. Mais comme les forces centrifuges et centripètes, comme le jour et la nuit, ces deux mouvements sont complémentaires et s’accompagnent. Il s’agit peut-être de s’accompagner, en effet, dans ces tourbillons qui aujourd’hui nous lient.