Es ist für uns eine grosse Freude, dass wir im Jahr 2025 unser Ziel erreicht haben, wieder über 40 000 Veranstaltungsbesuchende in der Kaserne Basel zu zählen. Nicht mitgezählt sind die Besucher*innen der KaBar. Seit der Pandemie freuen wir uns über sukzessiv steigende Zuschauer*innenzahlen. Das ist anhand der vielen Diskussionen um die veränderte Musik- und Clublandschaft nicht selbstverständlich. Und ein Betrieb wie die Kaserne Basel kann nicht endlos Besucher*innenzahlen steigern, daher ist es uns wichtig, unser Publikum möglichst nachhaltig aufzubauen – mit einer zugänglichen Preispolitik ein junges Publikum an die Kaserne Basel zu binden und mit neuen Zuschauer*innen-Generationen das Haus zukunftsfähig aufzustellen. Die Kulturpublikumsbefragung des Kanton Basel-Stadt hat bestätigt, dass diese Strategie aufgeht: 77% unseres Publikums ist unter 51 Jahre alt und 58% unter 36 Jahre alt. Sichtbar ist auch, dass von allen befragten Institutionen Social Media bei der Kaserne Basel am stärksten eine positive Rolle spielt, um Publikum auf unser Programm aufmerksam zu machen. Ebenso zeigt die Umfrage, dass unser Publikum am ökologisch nachhaltigsten zu uns kommt: bei der Anfahrt per Zug/S-Bahn, Velo oder zu Fuss ist die Kaserne Basel jeweils Spitzenreiter. Die Befragung hat auch benannt, dass das Basellandschaftliche Publikum stärker im Marionettentheater präsent ist als in der Kaserne Basel. Unser Programm ist urban, wir widmen uns Themen, die zwar vor allem städtisches, universitär gebildetes und (post-) migrantisches Publikum anziehen. Das schliesst Menschen aus dem Kanton Basellandschaft zwar nicht aus – aber ein Besuch bei uns ist immer auch ein Sprung ins Ungewisse und etwas für Entdecker*innen. Das Publikum will wissen, warum man einen über 30-minütigen Weg in die Stadt auf sich nimmt. Gleichzeitig beobachten wir eine grosse Treue bei allen, die unser Programm für sich entdeckt haben.
Programm
Im Jahr 2025 konnte das Programmteam von einer beflügelnden Dynamik profitieren: Die Subventionserhöhung durch den Grossen Rat erlöste uns von einem enormen Druck, der auf der Machbarkeit unseres Programms lag: Ideen und Initiativen konnten umgesetzt werden – finanziell, aber auch personell. Das hatte in allen Bereichen positive Auswirkungen. Wir konnten die Veranstaltungsdichte erhöhen, mehr künstlerisches Risiko eingehen, grosse Events, Konferenzen und verschiedene Veranstaltungen parallel umsetzen. Dass das überhaupt möglich war, ist (nach den Künstler*innen und ihren Ideen!) auch den Mitarbeitenden zu verdanken, die die Kaserne Basel mit ihren Ideen und Engagement tragen und weiterentwickeln – von den Freelancern an Kasse/Einlass/Technik/Housekeeping, über unser Technikpersonal, das Personal in der Buchhaltung, im Betriebsbüro und der Kommunikation und unser Programmteam. Danke vielmals für euren Einsatz! Es ist nicht selbstverständlich, mit einem Team zu arbeiten, dass sich so gern mit dem Betrieb identifiziert. Ein grosser Dank gilt neben dem Kanton Basel-Stadt und Basel-Landschaft auch allen weiteren Geldgeber*innen und unseren Veranstaltungspartner*innen und Festivals.
Musik
Das Musikprogramm der Kaserne Basel bot 2025 eine breite Palette aus lokalen, nationalen und internationalen Künstler*innen. Newcomer teilten sich mit etablierten Acts die Bühne und musikalisch wurde mit Pop, Rock, HipHop, Spoken Word, Post-Worldmusic, Metal, elektronischer und experimenteller Musik ein vielfältiger Einblick in aktuelle musikalische Entwicklungen geboten. Das Jahr begann mit einem riesigen Publikumserfolg: mit drei ausverkauften Konzerten der Berner Legenden von Patent Ochsner und zwei ausverkauften Konzerten des jungen deutschen Singer & Songwriter Mayberg – so konnten wir mit insgesamt 6000 Gästen zum Jahresbeginn ein starkes Zeichen für Live-Musik in Basel setzen. Andere Highlights waren Konzerte der Lokalhelden und HipHop-Legenden von TAFS und Brandhärd sowie von Bilderbuch, Sophie Hunger, Grandbrothers und dem brasilianischen Shootingstar Marie Froes. Mit ausverkauften oder gut besuchten Konzerten von Soap & Skin, Space Afrika, und Charlemagne Palestine zeigte sich auch eine Trendwende: das Publikum lässt sich zunehmend auf musikalische Experimente ein. Letzt genanntes Konzert fand im Rahmen einer musikalischen Matinee anlässlich des 80. Geburtstags der in Basel lebenden Pianistin und Komponistin Marianne Schroeder statt, die für dieses besondere Fest eine Performance erarbeitet hat, die in enger Zusammenarbeit mit der Literatur Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek entstanden ist. Aber auch die ganz Jungen haben in Form von Kinderkonzerten ihren Platz in der Kaserne gefunden. Diese Konzerte werden mit grossem Engagement umgesetzt. Zum zweiten Mal war das FOG-Festival für experimentelle elektronische Musik zu Gast. Mit weinendem Auge mussten wir nach 13-jähriger Partner- schaft die Kooperation mit «Mitten in der Woche» gehen lassen, welche mit einem letzten grossen Weihnachtsspecial nochmals die ganze Basler Szene von gestern, heute und morgen an die Kaserne geladen hat. Danke Euch an dieser Stelle nochmal für die jahrelange Unterstützung der Basler Musik-Szene! Als Kaserne Basel ist es unser Auftrag, für die lokale Musikszene Partnerin zu sein – dass wir diesem Teil-Auftrag mehr nachkommen als auch schon, kann man an den vergangenen Jahresberichten ablesen: in den vergangenen Jahren unter der Musikleitung von Marcel Bisevic ist die Anzahl von Acts lokaler Musikschaffender sichtbar gestiegen.
In Kooperation mit Partner*innen aus der queer und trans BIPoC Community wurde zum ersten Mal ein «Kiki Ball» ausgerichtet. Bei dieser Veranstaltung, die aus der Ballroom-Kultur hervorgeht und sich für Aussenstehende als eine Art queerer Tanzwettbewerb zu Clubmusik beschreiben lässt, kamen Gäst*innen aus ganz Europa nach Basel gereist, um 8 Stunden lang lautstark ihre Lieblinge anzufeuern. Vom grossen Erfolg dieser Veranstaltung regelrecht überwältigt, wollen wir diese Kooperation stärken. Die Kaserne Basel hat sich deswegen dazu bereit erklärt, unseren Vermittlungsraum für die lokale Ballroom-Community zu öffnen, damit sie das ganze Jahr über regelmässig zusammen kommen kann.
Das Jahr endete mit der grossen, ausverkauften Weihnachtsparty, die unter der Beteiligung vieler lokaler DJs und Künstler*innen wieder in Kooperation mit der ZischBar entstanden ist. Der Soli-Franken (in der Summe CHF 1 500) der Party ging in diesem Jahr an den Trans Safety Emergency Fund.
Vermittlung & Kontextprogramm
Im Bereich Vermittlung wurden bewährte Formate und Kooperationen fortgeführt und viele neue Impulse gesetzt. Neben Tanzworkshops – beispielsweise zum Tanzstil Krump oder mit Nadia Beugré zu ihrer aktuellen Produktion «Épique!» – konnte im Rahmen von Culturescapes und in Zusammenarbeit mit Tabea Martin ein DJing-Workshop mit dem marokkanischen Kollektiv «Soundsisters» angeboten werden. Erstmals fanden zudem ein Technikworkshop für Jugendliche und ein Trauercafé im Rahmen der Produktion «Mitosis» von Brandy Butler statt. In Zusammenarbeit mit dem LAB-Artist Robin Michel wurde ein zweitägiger Synthesizer-Workshop realisiert – vom Bau eines Synthesizers bis zur Bedienung. Dazu kamen Stückeinführungen, Kinderkonzerte, Familienvorstellungen mit kostenloser Kinderbetreuung, Publikumsgespräche, Nachgespräche an Schulen und Hochschulen, Führungen, Beatmaking- Workshops, der VHS-Kurs «Highlights der Kaserne Basel» und in Zusammenarbeit mit dem Theater Basel ein Angebot an Audiodeskription «Theater erleben – Oper entdecken», um den Zugang zu verschiedenen Produktionen für blinde und sehbehinderte Menschen zu vertiefen.
Relativ neu im Vermittlungsrepertoire sind die Physical Introductions, die 2025 (meist unter der Anleitung unserer LAB-Artists) fünfmal durchgeführt wurden. Bei diesem speziellen Format wärmt sich das Publikum vor dem Besuch einer Tanzvorstellung auf und lernt die Bewegungsqualitäten aus den Stücken kennen, die im Anschluss gesehen werden. Ergänzt wurde das Angebot durch eine Vocal Introduction – ein gemeinsames Einsingen vor der Vorstellung.
Wie in jedem Jahr kümmern wir uns intensiv um unseren Freundeskreis und konnten dieses Jahr mit ihm zusammen nach Brüssel zum Kunstenfestivaldesarts reisen.
Ein besonderes Highlight der Vermittlungsarbeit im Jahr 2025 war der Familientag im Herbst, mit zwei herausragenden Produktionen für junges Publikum aus Belgien, Bastel- und Bewegungsworkshops auf dem Kasernenareal sowie einem Waffeltruck.
Theater, Tanz & Residenzen
Das Theater- und Tanzprogramm begeisterte ein diverses Publikum, von erfahrenen Theaterbesuchenden bis zu jungem Publikum. Eine vollständige Liste aller eingeladenen Künstler*innen lässt sich auf den Seiten 15 und 16 nachlesen. Seit 45 Jahren ist das Theater- und Tanzprogramm das Herz der Kaserne Basel. Gebührend haben wir daher unser 45-jähriges Jubiläum gefeiert. Mit experimentellen Arbeiten konnten wir zum Jahresbeginn neue Produktionen aus der Schweiz und (Ost-) Europa zeigen. Entdeckermomente bot auch die Bremer Compagnie Unusual Symptoms mit «Calving», einer Choreographie von Faye Driscoll: ein scheinbar endlos drehendes Tableau Vivant entstand vor unseren Augen, dem man sich kaum entziehen konnte. Nicht umsonst ist die US-Amerikanerin Faye Driscoll ein Geheimtipp in der europäischen Tanzszene. Ebenso unvergesslich war das erste Gastspiel der norwegischen Compagnie Susie Wang in Basel. Selten funktioniert Suspense so gut, wie bei Susie Wang: ein hyperrealistisches Splattertheaterspiel, wie es selten in der Freien Theaterszene zu finden ist, ohne Angst vor Triggerwarnungen und mit voller Überzeugung, dass die Katharsis uns allen guttut – ein verblüfftes junges Publikum sass in grosser Zahl im Publikumsgespräch und hat uns überzeugt: das war sicher nicht das letzte Gastspiel von Susie Wang bei uns! Im Rahmen einer Konferenz zu sexueller Gewalt in Kulturorganisationen zeigte die belgische Regisseurin Emilienne Flagothier, wie feministische Rache richtig geht: in einer Aneinanderreihung von Alltagsszenen, in denen sich Männer gegenüber Frauen und non-binären Menschen daneben benahmen, bekamen es die misogynen Cis-Männer-Figuren so richtig «auf die Nuss». Nach einem Konferenztag über schwere Themen und Präventivmassnahmen wirkte die Vorstellung wie eine Befreiung von all der Last. Eine Last in unserer Jahresplanung war für uns (neben dem anstehenden Umbau des Rossstalldaches) ein Thema stärker präsent, als wir es uns wünschten: die Planung mit dem ESC in Basel. Natürlich freuten wir uns auf internationale Fans und eine Stadt im Ausnahmezustand. Was aber genau auf uns zukommen sollte, war lange eine Blackbox. Umso mehr war für uns die deutsche Dokumentar-Performancegruppe
Boys*In Sync ein Ventil, das dem allzu leichten ESC-Pop politische Einordnung gab: die Performance widmete sich mit «InterEuroVision » dem Aufeinandertreffen von Ost und West in einem Eurovision-Fernsehevent in 1968. Ein interessanter Fall, wenn man bemerkt, wie sich heute die Blöcke auf andere Art wieder auftun und in Osteuropa wieder ein eigener «Intervision» entsteht. Die politische Landschaft war häufig Thema in unseren Debatten – ein grosser Dank geht hier an das Team des feministischen salon basel und die Kolleg*innen im Werkraum Schöpflin, mit denen wir so anregende Gesprächsformate in der Kaserne ermöglichen konnten. Mit den künstlerischen Arbeiten von Soa Radsifandrihana, Julian Warner, Radouane Mriziga und Nadia Beugré sowie der Konferenz Wax Encounters beim Festival Culturescapes widmeten wir uns dem kolonialen Erbe Europas. Im Sommer konnten wir drei Schwerpunkte outdoor verwirklichen: die Premieren von Muhammed Kaltuk und Cilio Minella im Dreispitz und im Westfeld, sowie der ausgiebige und wunderbare Nachmittag in den Merian Gärten – mit spannenden künstlerischen Positionen von Alma Söderberg, Bruno Freire, Petra Serhal und vielen anderen. Letztere war dieses Jahr als libanesische Künstlerin in einer Kasernenresidenz und entwickelte währenddessen ihre Performance. Sie sammelte neben Rezepten von selbst bezeichneten Hexen unserer Region auch Kräuter und Heilpflanzen, die in unserem Meetingraum über Wochen trockneten und später von den Zuschauer*innen als Salben und Tinkturen auf der Wiese in den Merian Gärten an einem langen Tisch ausprobiert wurden.
Das Residenzprogramm zog nicht nur spannende Künstler*innen ausserhalb Europas an, wie Mathi Jurry und Oluwabukunmi Olukitibi, deren Showing so voll war, dass wir mehr als 20 Zuschauende nicht mehr reinlassen konnten. Auch Westschweizer Künstler*innen waren bei uns, die in der Kaserne ihre Arbeit entwickelten. Diese Kooperation wird in der Westschweiz enorm geschätzt und ist einmalig in der Schweiz (ein besonderer Dank gilt hier der Ernst Göhner Stiftung für die Unterstützung!)! Mit den Festivals Transform in Leeds und dem London International Festival for Theater waren ausserdem 2 Künstler*innen bei uns, die sich der Community-Art-Practice widmeten – und Beziehungen zur Basler Bevölkerung suchten. Auch das Programm der LAB Artists wird von Künstler*innen und Zuschauer*innen sehr geschätzt. Zwei LAB Artists unserer ersten Saison hatten nun auch erstmals ihre Premieren bei uns: Patricija Bronić und Tyra Wigg. Es ist toll zu sehen, wie unser Programm so nachhaltige Produktionsprozesse untetstützt – und wie es ebenso viele verschiedene Publikumsschichten begeistert. Sehr oft (und mehr als je) waren auch ausverkaufte Vorstellungen dabei – zum Beispiel bei Stefan Kaegi / Sasha Waltz & Guests, Brandy Butlers LSD-Opera, Alexandra Bachzetsis, Julian Vogel und Tabea Martin. Uns ist neben der «vollen Hütte», wie man so gern im Theaterjargon sagt, aber besonders wichtig, dass alles zusammenhängt und sich klar zu machen dass ein vielfältiges Programm nur mit vielen Teilaspekten entstehen kann – indem wir die Szene im Experiment unterstützen, langfristige Partnerschaften anbieten, mit Partner*innen ausserhalb der Deutschschweiz und Europas zusammenarbeiten, in dem wir den Rahmen für Gespräche und Diskurse öffnen und uns selbst persönlich für unser Programm einsetzen. Selbstverständlich gehört für uns die Unterstützung der lokalen Szene dazu – mit Koproduktionsmitteln, Begleitung bei der Antragsstellung, bei Workshops, Kommunikation und Vermittlungsprogramm. Unser Dank gilt daher an alle, die das möglich machen und uns mit Neugierde und Freude am Programm unterstützen und begleiten!
Für das Programmteam (Marcel Bisevic, Maximilian Brands, Recha la Dous, Mareike Mohr, Corinne O’Toole, Julia Ritter):
Tobias Brenk
Direktion