17.30–19.30 Uhr: Workshop mit Derya Yıldırım: Bağlama in der Gegenwart
Neue Spieltechniken und Einsatz in der populären Musik and beyond
Der Bağlama-Workshop mit der Musikerin und Popakademiedozentin Derya Yıldırım ist offen für Musiker:innen zwischen 16 und 30+ Jahren. Er bietet insbesondere für Bağlama-Spieler:innen, die sich für ein Musikstudium interessieren, die einmalige Gelegenheit eine Dozentin der Popakademie Baden-Württemberg sowie den Studiengang Global Music (B.A.) näher kennenzulernen.
Bitte Instrumente mitbringen!
Ab 19.30 Uhr: Infotalk Studieren an der Popakademie
Im Anschluss an den Workshop stellt der Studiengangsleiter Prof. Dr. David-Emil Wickström im Rahmen eines interaktiven Vortrags die künstlerischen Bachelorstudiengänge Popmusikdesign und Global Music vor.
https://popakademie.de/de/studium/globalmusic-ba/facts/
Treffpunkt: Abendkasse
Keine Anmeldung erforderlich
Derya Yıldırım
"Volksmusik ist keine Nostalgie. Sie ist keine eingefrorene Tradition, die nur bewahrt werden muss. Sie ist Bewegung, Wandel, Ausdruck – ein Spiegel der Gesellschaft." Derya Yıldırım steht für genau diese Haltung: Für eine Musik, die Geschichten erzählt, die weitergegeben, neu empfunden und mit jeder Stimme, die sie singt, neu definiert wird.
Als Sängerin, Multi-Instrumentalistin und Komponistin hat sich Yıldırım als eine der bedeutendsten Stimmen der zeitgenössischen anatolischen Musikszene etabliert. Aufgewachsen in einer Familie, in der Musik zum Alltag gehörte, erlernte sie bereits in ihrer Kindheit Instrumente wie Klavier, Gitarre, Ud, Saxofon und Bağlama. Ihre ersten Erfahrungen mit der Bağlama machte sie nicht auf der Bühne, sondern inmitten familiärer Hausmusik – mit Liedern, die seit Generationen weitergetragen wurden. Doch ihre musikalische Reise führte sie weit über das Private hinaus: Sie studierte von 2013 bis 2016 an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg und schloss 2020 ihr Studium im Fach Bağlama bei Taner Akyol an der Universität der Künste Berlin ab. Seit 2024 gibt sie ihr Wissen als Dozentin an der Popakademie Baden-Württemberg weiter.
Mit ihrer international besetzten Band Derya Yıldırım & Grup Şimşek hat sie eine einzigartige Verbindung von anatolischer Volksmusik mit Psychedelia, Jazz und Funk einflüssen geschaffen. Die Band wurde als „neue deutsch-anatolische Psycho-Pop-Sensation“ gefeiert und veröffentlichte mehrere Alben in Eigenregie. Ihr viertes Album Yarın Yoksa (deutsch: Wenn es kein Morgen gibt) erschien im März 2025 beim renommierten New Yorker Label Big Crown Records. Produziert von Leon Michels (El Michels Affair) in den Diamond Mine Studios in Queens, New York, vereint das Album größtenteils Eigenkompositionen mit drei neu interpretierten traditionellen Liedern – eine Mischung, die Yıldırıms künstlerische Vision widerspiegelt: Volksmusik als Spiegel der Gesellschaft und treibende Kraft der musikalischen Entwicklung. Die Album-Release-Show im März 2025 fand im Großen Saal der Elbphilharmonie statt, gemeinsam mit dem Ensemble Resonanz.
Doch auch als Solokünstlerin geht Yıldırım ihren eigenen Weg. In ihren Solo-Konzerten kehrt sie zur Essenz zurück: Stimme und Bağlama. Sie interpretiert Volkslieder nicht neu, sondern lässt sie weiterleben – in einem Raum ohne Genregrenzen. Ihr Ziel ist es, die Bağlama als vollwertiges Konzertinstrument zu etablieren, jenseits folkloristischer Nischen. „Die Bağlama gehört auf die großen Konzertbühnen, nicht als exotisches Instrument, sondern als selbstverständlicher Teil der hiesigen Musiklandschaft“, sagt sie. Ihre Musik erzählt von Sehnsucht und Widerstand, von Migration und Identität – von Geschichten, die nicht verloren gehen dürfen.
Seit 2015 arbeitet Yıldırım mit dem Ensemble Resonanz zusammen. Ihr Projekt Derya’s Songbook, das 2019 mit Uraufführungen in der Elbphilharmonie startete, führte traditionelle anatolische Musik in neue Kontexte und verknüpfte sie mit zeitgenössischen Kompositionen. Auch im Bereich der zeitgenössischen Musik und des Musiktheaters ist sie aktiv: Im Herbst 2024 arbeitete sie mit dem renommierten ERMA Ensemble in Köln zusammen. Von Januar bis April 2024 stand sie zudem als Musikerin und Performerin in der Produktion Haydar tanzt an der Neuköllner Oper auf der Bühne. Aufgrund der großen Nachfrage wird das Stück im März und April 2025 erneut aufgeführt.
Ein weiteres Feld, in dem Yıldırım sich zunehmend entfaltet, ist die Filmmusik. Nach ersten Erfahrungen mit der Komposition einzelner Szenen, etwa für Der Russe, der Birken liebt (2022) von Pola Beck, übernahm sie 2024 erstmals die komplette musikalische Gestaltung eines Films. Sie komponierte, produzierte und spielte den gesamten Soundtrack für den Dokumentarfilm Die Möllner Briefe von Martina Priessner ein, der im Februar 2025 seine Weltpremiere auf der Berlinale feierte. Außerdem war sie als Musikerin und Protagonistin in der viel beachteten Musikdokumentation Aşk, Mark ve Ölüm – Liebe, D-Mark und Tod von Cem Kaya zu sehen.
Neben ihren musikalischen Projekten engagiert sich Yıldırım für die Förderung anatolischer Musik und setzt sich aktiv für den musikalischen Nachwuchs ein. Seit 2024 ist sie regelmäßiges Jurymitglied beim Bundesjugendwettbewerb Jugend musiziert im Fach Bağlama. Mit ihrer Band nahm sie zudem einen exklusiven Mix für das Londoner Kult-Radio NTS auf.
Für Yıldırım ist die Bağlama „wie ein guter Weggefährte“ und die Musik „ein Vermittlungsinstrument, welches sie vorantreibt“. Ihre musikalische Reise ist ein fortwährender Dialog zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – mal zart und melancholisch, mal kraftvoll und mitreißend. Sie bringt die reiche traditionelle Musik Anatoliens in immer neue Kontexte und auf immer größere Bühnen, ohne dabei die Wurzeln aus den Augen zu verlieren.